Keramische Boden- und Wandbeläge
Keramische Erzeugnisse werden aus anorganischen, feinen Rohstoffen (Ton) und Wasser geformt, getrocknet und durch brennen formbeständig und zum Teil auch wasserundurchlässig gemacht. Die keramischen Oberflächen verhindern das Eindringen von Feuchtigkeit oder Schmutz und können zudem resistent gegen chemische Angriffe sein. Zur Keramik gehören neben Boden- und Wandbelägen auch Porzellan, Glaskeramik, technische Keramik oder Sanitärkeramik. Um 10.000 v.u.Z. wurden die ältesten Keramiken in Japan nachgewiesen. Seither hat die Keramik eine Geschichte hinter sich, die sich rund um die Welt durch alle Epochen und Hochkulturen bewegt.
Man unterscheidet im Wesentlichen Grob- und Feinkeramik. Die Unterscheidung bezieht sich auf die Größe der Masseteile und die Homogenität des Scherbengefüges. Durch moderne Herstellungsverfahren sind die Grenzen zwischen Grob- und Feinkeramik oft fließend. Als Grobkeramik im Fliesenbereich werden meist nur noch Spaltplatten mit ihrem rustikalen Charakter bezeichnet. Häufig auf dem Bau vorkommende Grobkeramik sind zum Beispiel Dachziegel, Klinker, Schamotte oder Abwasserrohre. Diese Produkte sind oft nicht homogen und haben keine einheitliche Färbung. Haushaltskeramik oder auch Sanitärkeramik besteht aus der feinkörnigen Feinkeramik.
Keramische Fliesen und Platten werden nach ihrer Wasseraufnahme in Masseprozent und dem Formgebungsverfahren (Stranggepresst, trocken gepresst, gegossen) in 12 Gruppen eingeteilt. Eine stranggepresste Platte mit einer Wasseraufnahme von 6 ? 10 % bspw. wird in die Gruppe A II b eingeordnet.
In der Fliesen- und Keramikindustrie wird oft von `Scherben` gesprochen. Zum Beispiel bei `Scherbenrohdichte`. Mit Scherben ist der unglasierte, gebrannte Tonkörper gemeint.
- Steingut (ist Zeug)
- Steingutfliesen bestehen neben Ton noch aus Quarz, Feldspat und anderen Mineralien. Sie werden trocken in Form gepresst und bei 900°C bis 1100°C gebrannt. Diese verhältnismäßig geringe Brenntemperatur sorgt dafür, dass das Endprodukt nicht wasserdicht ist. Die Sintergrenze wird beim Brand nicht erreicht. Steingut bleibt immer porös und das Wasser wird durch die Kapillarwirkung aufgenommen. Die Wasseraufnahme kann über 10 Masseprozent betragen. Eine in einem zweiten Brennvorgang aufgeschmolzene Glasur sorgt für eine geringere Wasseraufnahmefähigkeit. Steingutfliesen sind eher weich, gut zu bearbeiten, nehmen aber trotz Glasur noch Wasser auf. Sie werden in der Regel im Innenbereich bei leichter Beanspruchung eingesetzt. Der Einsatz im Nassbereich in Innenräumen ist durch die Glasur möglich. Steingut ist wegen der Wasseraufnahmefähigkeit nicht frostsicher und darf auf keinen Fall im Außenbereich eingesetzt werden. Steingutfliesen kann man daran erkennen, dass Wassertropfen auf der Rückseite der Fliese langsam aufgesogen werden.
- Steinzeug (ist gut)
- Nach der trockenen Pressung werden bei der Herstellung von Steinzeug hohe Brenntemperaturen von 1200 °C bis 1300 °C eingesetzt. Dadurch `verglast` bzw. `sintert` das Material, wird also verschmolzen und dadurch nahezu wasserundurchlässig. Steinzeug ist seit über 1000 Jahren bekannt. Die geringe Wasseraufnahmefähigkeit wird dadurch erreicht, dass neben Ton und Quarz Feldspat eingesetzt wird, welcher durch seinen niedrigen Schmelzpunkt die Poren des Scherbens ausfüllen. Steinzeugfliesen haben eine geringe Wasseraufnahmefähigkeit und können deshalb im Außenbereich eingesetzt werden. Aufgrund ihrer hohen Dichte besitzen sie zudem eine hohe mechanische Festigkeit. Nicht zuletzt hat Steinzeug eine hohe Resistenz gegen chemische Beanspruchung. Es wird in Bereichen mit starker chemischer Beanspruchung z. B. für Abwassersysteme und in Laboren eingesetzt. Im privaten Bereich finden Steinzeugfliesen im Innen- und Außenbereich Anwendung.
- Spaltplatten
- Als Spaltplatte werden Steinzeugfliesen bezeichnet, die Rückseite an Rückseite bei 1200 °C gebrannt werden. Im noch plastischen Zustand werden die Platten durch eine Strangpresse zu Doppelplatten gezogen. Nach dem Brennen werden die Platten durch Spalten getrennt. Spaltplatten haben Schwalbenschwanzförmige Rillen auf der Rückseite. Die Platten werden glasiert und unglasiert hergestellt. Spaltplatten haben eine Wasseraufnahme von 3 bis 6 Massenprozent. Sie sind mechanisch hoch belastbar, frostbeständig und im Innen- und Außenbereich für Wand, Boden, Treppen, Fassaden, Terrassen und Balkone einsetzbar.
- Feinsteinzeug
- Bei der sogenannten Feinsteinzeugfliesen sind keine Körner, Einschlüsse oder Poren erkennbar. Die Masse ist sehr fein und homogen. Feinsteinzeug hat eine extrem niedrige Wasseraufnahme. In der entsprechenden DIN gilt für die Wasseraufnahme ein Mittelwert von maximal 3 Masseprozenten, welche von Feinsteinzeug mit 0,1 - 0,5 Masseprozent deutlich unterschritten wird. Durch die geringe Wasseraufnahme ist das Material extrem frostsicher. Die meist unglasierte Fliese wird bei einer Brenntemperatur von 1250 °C bis 1300 °C dicht gesintert, hat also keine offenen Poren. Die Feinsteinzeugfliese wird in der Regel einmal gebrannt. In weiteren Brenngängen kann die Fliese glasiert oder durch Keramikpulver und verschiedene Salze mit Farben, Mustern und Motiven dekoriert werden. Eine polierte Oberfläche ist ebenfalls möglich. Durch die Politur werden die Porenräume angeschliffen, was leider dazu führt, dass Schmutz besser haftet. Nach einer Politur sollte die Oberfläche der Feinsteinzeugfliese deshalb bspw. durch eine Imprägnierung weiter behandelt werden. Bleibt die Fliese unglasiert und unpoliert hat sie eine hohe Abriebfestigkeit. Sie ist zudem sehr bruchfest und wird in stark beanspruchten Bereichen, im Innen- und Außenbereich, als Wand-, Boden-, Treppenbelag und als Fassadenbekleidung eingesetzt.
- Naturstein
- Natursteine unterscheidet man nach ihrer Entstehung. Es gibt Erstarrungsgesteine, Ablagerungsgesteine und Umwandlungsgesteine. Meist werden natürliche Gesteinsarten nicht weiterbearbeitet. Schleifen und Polieren verpassen dem Material aber ein schönes finish. Zu Natursteinen zählen z. B. Granite, Sandsteine oder Marmor.
- Cotto / Terracotta
- Terrakotta besteht aus Kalkmergel und Quarz. Dieser Ton wird mit Wasser vermengt und verknetet. Die Fliesen werden bei 950 °C bis 1050 °C gebrannt. Das Material wird im Strangpress- und Trockenpressverfahren hergestellt. Cotto wird z. B. in einen Holzrahmen gedrückt und glatt gestrichen. Danach trocknen die Platten an der Luft bevor sie gebrannt werden. Das besondere an Terracottaböden ist die einzigartige, rustikale Optik. Die Fliesen sind natürlich, lebendig, warm und regulieren die Luftfeuchtigkeit im Raum. Cotto muss grundiert und versiegelt werden.
(c) by Päffgen GmbH bzw. deren Autoren 2009, www.fliesenleger.de
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