Technische Informationen
- Rutschsicherheit
Bodenbeläge werden nach ihrer Rutsch- bzw. Trittsicherheit in Gruppen zusammengefasst. Hierbei werden gleitfördernde Stoffe wie Wasser in die Bewertung miteinbezogen. Im Prüfverfahren werden die Beläge auf ein Gestell gelegt und von einem Prüfer begangen. Dabei wird eine Seite des Gestells angehoben und der Bodenbelag bspw. mit Öl, Feuchtigkeit oder Pflegemitteln benetzt. Der Test wird bei steiler werdender Einstellung wiederholt, bis der Prüfer sich unsicher fühlt oder ausrutscht. Der Neigungswinkel des Prüfgestells wird gemessen und fließt in die Einteilung mit ein. Für die Prüfung von zum Beispiel Treppen und Treppen-Stufenkanten gibt es andere Verfahren. Außerdem gibt es verschiedene mechanische Methoden, einen eingebauten Belag vor Ort zu überprüfen.
- Rutschsicherheitswert R
Die Rutschsicherheit erfolgt in verschiedenen Bewertungsklassen, die in Gruppen von R9 bis R13 eingeteilt sind. Je höher der R Wert, desto rutschhemmender ist der Bodenbelag. Aber: Je höher der Wert, desto schlechter ist auch die Reinigungsfähigkeit des Bodens.
R09, Haftreibewert: gering, Neigungswinkel 3° bis 10° R10, Haftreibewert: normal, Neigungswinkel 10°bis 19° R11, Haftreibewert: erhöht, Neigungswinkel 19° bis 27° R12, Haftreibewert: groß, Neigungswinkel 27° bis 35° R13, Haftreibewert: sehr groß, Neigungswinkel über 35°
- Verdrängungsraum V
Im gewerblichen Bereich gibt es noch zusätzliche Anforderungen, wenn fettige, pastöse oder faserig-zähe Stoffe auf den Boden gelangen. Dann müssen Fliesen einen Hohlraum besitzen, der unterhalb der Gehebene, zwischen Schuhsohle und Bodenbelag, die Möglichkeit zur Verdrängung von Stoffen bietet. Dieser Verdrängungsraum ist in Gruppen nach Mindestvolumen cm³/dm² eingeteilt. Das Volumen bestimmt die Flüssigkeitsmenge in cm³, die auf einem dm² mindestens aufgenommen werden muss.
V4 mit einem Mindestvolumen von 4 cm³/dm² V6 mit einem Mindestvolumen von 6 cm³/dm² V8 mit einem Mindestvolumen von 8 cm³/dm² V10 mit einem Mindestvolumen von 10 cm³/dm²
- Nass belastete Barfußbereiche
Keramische Oberflächen im nass belasteten Barfußbereich werden in Gruppen A-C eingeteilt. Für die Prüfung wird eine geneigte Ebene mit dem entsprechenden Bodenbelag eingerichtet, auf der Wasser aufgebracht wird. Die Prüfperson ist barfuß.
Bewertungsgruppe A, Mindestwinkel 12°, Umkleideräume Bewertungsgruppe B, Mindestwinkel 18°, Duschräume Bewertungsgruppe C, Mindestwinkel 24°, Durchschreitebecken
- Abrieb- oder Beanspruchungsgruppen
Die Oberfläche von Bodenbelägen wird durch schleifende und reibende Beanspruchung belastet. Bodenbeläge werden durch Schmutzpartikel verschlissen, die bei Begehung schmirgeln. Der Verschleiß hängt von verschiedenen Faktoren ab. Z. B. von der Benutzungsfrequenz, den Verschmutzungs- und Reinigungsbedingungen, der Art der Begehung, der Härte und der Dicke der Glasur. Im Prüfverfahren wird durch eine exzentrische Bewegung von Aluminiumoxidkörnern und Stahlkugeln unter Wasserzugabe ein künstlicher Abrieb erzeugt. Unglasierte Steinzeugbodenfliesen unterliegen praktisch keiner Beschränkung. Glasierte Bodenfliesen werden in verschiedene Beanspruchungs- bzw. Abriebgruppen eingeteilt. Je dunkler eine Glasur ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Abriebspuren sichtbar werden.
- Abriebgruppe I
- Glasierte, keramische Bodenbeläge, die mit weichem Schuhwerk oder Barfuß selten begangen werden. Keine kratzende Verschmutzung. Zum Beispiel: Badezimmer, Schlafräume. Zur Abriebgruppe I gehören auch Wandbeläge.
- Abriebgruppe II
- Glasierte, keramische Bodenbeläge, die bei geringer kratzender Verschmutzung mit normalem Schuhwerk wenig begangen werden. Zum Beispiel der Wohnbereich, Dielen und anderen häufig begangenen Räumen mit Ausnahme von Küchen.
- Abriebgruppe III
- Glasierte, keramische Bodenbeläge, die öfter mit normalem Schuhwerk und bei geringer kratzender Verschmutzung begangen werden. Zum Beispiel der gesamte Wohnbereich, Balkone, Loggien, Flure. Ausgenommen sind Küchen und gewerbliche Bereiche.
- Abriebgruppe IV
- Glasierte, keramische Bodenbeläge, die oft mit normalem Schuhwerk begangen werden. Intensive Nutzung in Bezug auf Verschmutzung und Belastung. Zum Beispiel: Küchen, Eingänge, Terrassen, Verkaufs- und Wirtschaftsräume, Büros, Krankenhäuser.
- Abriebgruppe V
- Glasierte, keramische Bodenbeläge, die sehr oft einer hohen Verschleißbeanspruchung ausgesetzt sind. Garagen, Gewerbe- und Restaurationsbetriebe, Imbissstuben, Eingangshallen in Hotels.
- Abdichtung im Sanitärbereich
Im Bereich von Nasszellen werden unter dem Fliesenbelag Abdichtungen angebracht, um Schäden am Gebäude zu vermeiden. Die Beläge selber sind in der Regel wasserdicht. Aber durch die Fugen kann Wasser in den Untergrund eindringen. Dies kann durch einen Anstrich erfolgen, der unter keramischen Fliesen und Platten porenfrei in bestimmten Schichtdicken aufgerollt oder gestrichen wird. Saugende Untergründe müssen vorbehandelt werden. Bei Installationsdurchführungen werden Dicht- oder Rohrmanschetten verwendet. Diese sitzen straff auf dem Rohr und werden in die Abdichtung mit eingespachtelt. Bewegungsfugen und auch Innenecken werden mit Fliesendichtband abgeklebt, welches entstehende Spannungen aufnimmt und Risse in der Abdichtung verhindert. Es gibt neben Streichabdichtungen auch noch Dichtbahnen, die mit Fliesenkleber aufgeklebt werden oder Abdichtungen auf Zementbasis. Für spezielle Anforderungen, z. B. gegen chemische Angriffe gibt es Abdichtungssysteme auf Basis von Epoxidharz.
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